So weit hab ich gar nicht gedacht...Klar, man macht sich mal Gedanken drüber, wie es wäre, wenn es anders wäre.
In einer Anarchie leben? Geht das?
Heute Mittag hatte ich eine interessante Diskussion mit ein paar Schulfreundinnen.
Ich bin der festen Überzeugung, dass eine Anarchie bei uns möglich wäre. Ist doch schön: jeder ist frei, man kann machen was man will, es gibt keine Pflichten und keine Regierung die einem die Schule oder sonst was aufzwingt. Das einzig schwierige an der Sache ist der Weg dorthin. Schwierig ist noch untertrieben, eher schier unmöglich!
Meine Diskussionspartnerin, wenn man nicht sagen kann -gegnerin, ist fest der Überzeugung, dass die Anarchie nicht möglich ist. Wie auch? Keiner räumt den Müll auf der Strasse weg, keiner regiert, keiner ist untergeordnet.
Aber funktioniert unsere Gesellschaft wirklich nur im "Schubladensystem"?
Würde ein Mensch in der heutigen Zeit in eine bestehende herrschaftslose Gesellschaft geboren, würde er sich perfekt anpassen können. Er wird in ein funktionierendes System eingegliedert und bekommt von Anfang an die nötigen Tugenden und den Anstand beigebracht und wird der Gesellschaft entsprechend erzogen.
Doch wer sorgt denn jetzt für die Sauberkeit im öffentlichen Bereich oder wer baut Gemüse für den Handel an? Naja, ich bezweifle, dass es in dieser Situation Handel geben würde. Aber mein Stichwort dazu ist: Eigenversorger. Jede Familie, jeder einzeln sorgt für sich selbst mit einem Gemüsebeet im Vorgarten und den entsprechenden Handwerkereigenschaften. Der öffentliche Raum würde auch schön bleiben, denn jeder Einzelne wills ja schön haben, da hebt man halt mal ein "Papierli" auf und spukt seinen Kaugummi nicht einfach auf den Boden.
Wenn es streit geben würde, würden sich die Leute früher oder später wieder vertragen. Oder einfach die Gegend verlassen, es ist ja keiner da, der einen an einer Arbeitsstelle festhält. Und wenn es einmal nicht wieder gut werden sollte, trägt man den Kampf ganz altmodisch aus mit den Fäusten aus, was, gebe ich zu, einigen in unserer aktuellen Gesellschaft doch ganz schön gut tun würde.
In dem Meinungskampf heute Mittag lenkte Gott sei Dank früh genug jemand ein und beendete elegant die Diskussion, denn das wäre wohl nicht das erste Mal gewesen, wo der Tag in Streit und Zickerei aufgrund von Sturheit und Beharren ausgeht.
Sie setzen für ein Gelingen voraus, dass ein Mensch in eine solch ›ideale‹ Gesellschaft geboren würde. Da ist doch der Haken: Man kann das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Die Prägung durch das Umfeld ist ohne Not oder umgekehrt kompletten Überfluss (und Freiheit) nur schwer zurückzunehmen. Zweitens fragt sich, wie es um die öffentliche Ordnung stünde, wenn sich keiner mehr verantwortlich fühlte. Hier gehen Sie von einem idealen Gemeinsinn aus, wie das zu Goethes Zeiten Rousseau behauptete. Auch diejenigen unter den Kommunisten, die tatsächlich die Welt menschlicher machen wollten, gingen davon aus, dass der Mensch das, was allen gehört, ebenso sorgsam behandelt wie das, was nur ihm gehört. Eine steile These ;)
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