Mittwoch, 13. November 2013

Fassaden-Break

Mann, war das eine lustige Zeit! Zwei Wochen hab ich Spass gehabt, mein Leben und den Ausgang geniessen können, mit Freunden spontan was machen. Hab mir schon Hoffnungen gemacht, dass alles vorbei ist, aber so schnell kann man sich täuschen. Da ist es wieder, dieses Gefühl. Ist es wegen dem Kaffee heute Morgen? Zu viel Zucker? Oder hab ich mal wieder zu wenig geschlafen? Ach, wem mach ich was vor. Ich weiss doch genau was es ist. Alles zusammen. Dazu noch eine kleine stressige Situation, ein Gedanke, ein Moment der überwältigenden Wut, und schon ist's mit der Ruhe schon wieder vorbei.
Langsam schleicht es sich an, zuerst ein Tag Herzklopfen, Rhythmusstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten. Dann am Zweiten innere Unruhe, das ständige innere Zittern der Finger, Anspannung. Der dritte Tag, gezeichnet von dem Gefühl innerer Vibration, ständiger Bewegungsdrang und keine Ausdauer. Dann ist er da. Ich weiss, heute Abend setz' ich mich hin, und kann es nur über mich ergehen lassen. Es ausstehen. Es zulassen. Als wüsste ich nicht, was mich da erwartet, den Tag über fleissig ignoriert und bekämpf, schlägt es in der Ruhe doppelt zu.
Meine Finger machen was sie wollen, spielen unbewusst mit den Bändeln der Couch-Decke. Meine Augen zucken, schauen hier, dann dort, dann wieder woanders hin. Da hat sich doch was bewegt!? Da kommt sie. Ich kann sie schon sehen. Wenn die Angst kommt, wird es dunkel, still. Wie betäubt sitz ich da, keiner zuhause? Keine Hilfe? Kein Gedanke mehr fassbar. Niemand der mir hilft. Niemand der helfen kann. Und dann ist sie da, es geht ganz schnell, von einer zur anderen Sekunde. Sah die Lampe schon immer so beängstigend aus? Ich muss hier raus! Die Decke fällt. Sofort raus! Nein, nicht bewegen, nicht ablenken. Lass es zu. Zehn Minuten. Zwanzig. Dreissig. Vorbei. Endlich. Es bleibt die Unruhe. 
Das Gefühl, alle schauen mich an. Sie sehen nicht, was abgeht. Soll ich es erzählen? Die Fassade brechen? Nein, nicht heute, vielleicht morgen, übermorgen. Nie? Keiner weiss es, keiner versteht es. 
Was bleibt, ist die Angst vor der Angst, verstehst Du? Ich weiss, sie kommt wieder. Wann? Lass mir ein bisschen Ruhe! Nur ein paar Wochen. Spass, Spontanität, sorgenloses Leben. 

1 Kommentar:

  1. Ein starker Text, sehr bedrückend zu lesen. Angst ist ein verbreiteteres Phänomen als die meisten denken, doch kaum jemand spricht darüber. Sie versuchen es mit der Beschreibung von leisen Ankündigungen, kleinen Veränderungen, Details, sprachlichen Bildern.
    Neben mir liegt ein neues Buch von Annette Pehnt zu dem Thema, es heißt Lexikon der Angst. Hier ein Beitrag aus dem Radio dazu. http://www.srf.ch/player/radio/buchzeichen/audio/annette-pehnt-lexikon-der-angst?id=36aca109-a80f-4b25-95dc-2aefd3343527

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